Zeitreise in eine andere Welt

Marrakesch

Marrakesch, wie aus einer anderen Epoche

Wer sich einmal auf eine Reise in eine andere Zeit und Kultur begeben möchte, sollte unbedingt nach Marrakesch fliegen. Die Metropole mit gut einer Million Einwohnern bietet in der Altstadt orientalische Romantik und geschäftiges Treiben und außerhalb der Medina westliches Flair mit Luxushotels und einem der schönsten Gärten Afrikas.

Wenn ihr durch eines der Tore zur historischen Altstadt geht, ist es so, als würdet ihr ein Portal in eine andere Zeit durchschreiten. Die autofreie Medina, wie die Altstadt im Herzen von Marrakesch heißt, ist quirlig, verwinkelt und voller Menschen. In kleinen Verschlägen verkaufen Händler Lampen aus Autoreifen, Schlachter bieten im Sonnenlicht fliegenübersäte Fleischwaren an und über den engen Gassen wehen seidige Tücher in allen Farben des Regenbogens. Für manche Touristen ist das erst einmal ein Schock. Aber einer, der sich lohnt.  

Schon nach kurzer Zeit habt ihr euch an die Atmosphäre gewöhnt und taucht ein in eine andere Welt. Zugegeben, vom Hippie-Flair der 70er-Jahre ist heute nicht mehr viel übrig und ein verfallenes Stadthaus in der zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Medina kostet heute schnell mehr als eine Villa in Frankreich. Doch der Spagat zwischen pulsierendem Basarleben und Tourismus funktioniert hier sehr gut. Kommt mit und erlebt eine Stadt, die nicht ohne Grund seit vielen Jahren zu den Geheimtipps der Welt gehört

Garküchen, Schlangenbeschwörer und Tajines

Markt mit Dampfküchen in Marrakesch bei Nacht

Tagsüber ist der Djemaa el Fna im Herzen von Marrakesch wie jeder andere große Platz auch. Hier warten Kutscher im Schatten der Palmen auf Touristen, dort laufen Kinder über den Platz, und im Hintergrund erhebt sich das mächtige Minarett der Koutoubia-Moschee. Doch wenn die Dämmerung kommt, verändert sich alles.

Wie ein Sandsturm aus Händlern strömen Menschen mit den für Marokko typischen roten Hüten auf den Platz und errichten zahlreiche Reihen mit kleinen Ständen und Garküchen. Generatoren betreiben Lichterketten, Gaskocher fauchen und erhitzen Eintöpfe, die dampfend ihren Geruch über den ganzen Platz verbreiten. Ein herrlicher Ort, um sich treiben zu lassen oder auf einem der Barhocker direkt am Tresen einer Garküche zu essen.

Zwischen den vielen Ständen flöten Schlangenbeschwörer Kobras aus ihren Strohbehältnissen, werden Hände mit Henna verziert oder bieten Zahnärzte auf Wolldecken Behandlungen mit Zangen an, die wir nur aus dem Baumarkt kennen. Der beste Ort, um sich das Ganze anzuschauen, ist eine der zahlreichen Bars mit Dachterrasse, die um den Djemaa el Fna herum verteilt sind.

Zeitoun Café

Das Restaurant hat einen großen Innenbereich. Eine Treppe führt auf die große Dachterrasse mit herrlichem Blick über die ganze Stadt. Auf der Karte finden sich traditionelle marokkanische Gerichte und internationale Klassiker.

Le Marrakchi

Restaurant mit gutem Blick auf den Marktplatz, in dem auch tagsüber Bier und Wein ausgeschenkt wird. Zu den Speisen gibt es einen atemberaubenden Sonnenuntergang und Bauchtanz.

Marokko ist berühmt für seine Tajines – Schmorgerichte mit Huhn, Kartoffeln, Koriander und Kreuzkümmel, die nach dem konisch zulaufenden Lehmgefäß benannt sind, in dem sie zubereitet werden. Wer nicht nur gerne isst, sondern auch kocht, kann vor Ort einen Kochkurs besuchen, um die Geheimnisse der Zubereitung kennenzulernen. Wir empfehlen dafür das Amal Women’s Training Center, das von einer NGO betrieben wird, um sozial benachteiligte Frauen zu unterstützen.  

Tajine-Kochkurs

Dauer: ca. 4 Stunden
Kosten: ca. 30 Euro pro Person

Die Kurse werden in Englisch, Spanisch, Französisch und Arabisch angeboten.
Bitte vorher einen Platz reservieren: http://amalnonprofit.org/cooking-class/

Dachterrassen mit Blick auf den schneebedeckten Atlas

Panorame auf einen Markt in Marrakesch
Blick auf Marrakesch's Märkte

Marrakesch bietet für jeden Geldbeutel die passende Unterkunft. Der Boom der letzten Jahre hat seine Spuren hinterlassen, und von großen Hotelketten über Hostels für Backpacker bis hin zu purem Luxus ist alles dabei. Unvergesslich ist eine Nacht in einem der für Marrakesch so typischen Riads. Die Stadthäuschen sind in den engen Gassen mit ihren roten Steinmauern kaum zu erkennen. Durch kleine, sehr niedrige Türen führt der Weg meistens in einen angenehm temperierten Innenhof mit einem kleinen Brunnen und Blick in den blauen Himmel. Die meisten Riads haben Dachterrassen, von denen aus der Blick bis zum schneebedeckten Atlas-Gebirge reicht.

Drei Riads im nördlichen Mouassine-Viertel

Riad Dar Zaman

Das Einzelzimmer kostet in der Nebensaison ab 100 Euro inkl. Frühstück.

Palais Riad Lamrani

Ein Ort, um sich verwöhnen zu lassen. Das Palais bietet Wellness und spezielle Arrangements. Der Preis für ein Zimmer beginnt in der Nebensaison bei 150 Euro.

Riad Indra

Das Riad hat sieben Zimmer in unterschiedlichen Größen. Alle sind wunderschön in weißem Holz gestaltet. Die Zimmerpreise starten bei 175 Euro.

Jardin Majorelle

Marrakesch ist untrennbar mit dem Modeschöpfer Yves Saint Laurent verbunden. Hier erfand er den Safari-Look, den Hosenanzug für Frauen und hat sich für viele weitere Teile seiner Kollektionen inspirieren lassen. Der Jardin Majorelle, so der Name des Gartens, in dem er seine Kleider entwarf, ist eine Oase mit Lilien, Orangenbäumen und Kakteen. Direkt angrenzend befindet sich das Yves-Saint-Laurent-Museum auf 4.000 Quadratmetern und drei Etagen mit zahlreichen Exponaten und Kleidern. Da der Garten nicht sehr groß ist und die Nachfrage hoch, solltet ihr versuchen, gleich morgens die Ersten zu sein, um noch etwas von der inspirativen Stimmung mitzubekommen.

Öffnungszeiten: 8:00 Uhr, im Ramadan 9:00 Uhr
Eintritt: Garten ca. 7 Euro, Museum ca. 3 Euro, Kinder unter 12 Jahren kostenfrei
Besichtigungsdauer: Garten ca. 1 Stunde, Museum ca. 2 Stunden     

Nützliche Tipps

  • Wenn ihr euch in einem Riad eingebucht habt, erkundigt euch vor der Anreise, ob es gut zu finden ist. Manche liegen so versteckt, dass die Suche Nerven und wertvolle Zeit kostet (von den hilfsbereiten, aber zuweilen etwas aufdringlichen Marokkanern ganz abgesehen). Daher besser vor der Reise den Transfer vom Flughafen klären.
  • Auch wenn Marrakesch als eine der für Tourismus aufgeschlosseneren Städte gilt, ist es für unerfahrene Reisende, vor allem für Frauen, besser, dort in kleinen Gruppen Urlaub zu machen. Auch bauchfreie Tops oder Hotpants sind im muslimisch geprägten Marokko nicht so gerne gesehen.
  • Fotografieren und Schlangen als Halsschmuck tragen kann schnell Geld kosten. Wer sich anstrengende Verhandlungen ersparen möchte, fragt besser vor dem Auslösen nach, ob man ein Foto machen darf. Auch Schlangenbesitzer sollte man vorher fragen, ob das freundliche Angebot, den lebendigen Halsschmuck einmal selbst anzulegen, kostenpflichtig ist.
  • Wer auf eigene Faust von Hostel zu Hostel reist, sollte sich die Zimmer vor der Buchung unbedingt erst zeigen lassen. Keine Sorge, das ist in Marokko durchaus üblich, und wer wohnt schon gerne bei der Katze im Sack.
  • In der Nebensaison im Winter können die Temperaturen schon mal auf 10 Grad fallen. Wer zu dieser Zeit reist, sollte sich besser ein beheiztes Zimmer nehmen.
  • Es gibt in der Stadt zahlreiche sogenannte Touristenführer, die gar keine sind. Also besser entsprechende Angebote höflich ablehnen und in einem Café die nächsten Ausflüge selbst planen.
  • Gezahlt wird in der Landeswährung Dirham. 10 Dirham sind ca. 1 Euro. Vor Ort gibt es zahlreiche Geldautomaten.