Prag: Laufen, Essen, Zeit vergessen

Ganz entspannt und ungeplant durch die Straßen und Gassen Prags schlendern, den Laurenziberg, Petřín, hinaufspazieren und unterwegs vegane Restaurants ausprobieren. Kurzum: Mein Prag-Guide für planlose Genießer.

Ich musste raus; mal wieder eine Stadt erkunden. Als Leipziger habe ich es bis nach Prag nicht weit. Etwa drei Stunden mit dem Auto, mit dem Bus sind es nur ein paar Minuten mehr. Vom Rest Deutschlands seid ihr per Flugzeug ebenfalls in ein paar Stunden in der tschechischen Hauptstadt. Vom Flughafen Václav-Havel könnt ihr dann mit den Buslinien 119 oder 100 in etwa 15 bis 20 Minuten die Innenstadt erreichen.

Warum Prag? Zum einen, muss ich in Zeiten von Corona pragmatisch an meine Reiseoptionen herangehen. Dann gibt es da aber noch einen anderen Grund:

Es ist schon zu lange her, dass ich noch ein präzises Bild von Prag im Kopf habe. An die Karlsbrücke, den Rathausturm mit der astronomischen Uhr und das Schloss auf der östlichen Moldauseite kann ich mich gut erinnern. Doch eigentlich besuche ich ein Urlaubsziel nicht zwei Mal. Einmal durch eine Stadt gehen, ohne den selbstauferlegten Zwang, typisch touristisches abhaken zu „müssen“, hatte irgendwie etwas.

Update aus Prag in unserem Podcast

Ich laufe hier nicht das erste Mal lang

Willkommen in Prag

Der Prager Stadtkern hat sich kaum verändert oder eben gut in Schuss gehalten – je nachdem, welche Perspektive man einnimmt. Auf mich wirken detailreich verzierte Gebäude im Stil der Romanik und Gotik bis hin zum Jugendstil ein. Zugegeben, die Architekturstile habe ich gegoogelt, was ich damit aber eigentlich ausdrücken möchte: Wolkenkratzer und Glasbauten kommen mir in der Innenstadt nicht in den Blick. Dennoch wirkt die Stadt alles andere als unmodern.

Hotels für 'n Appel und 'n Ei

Ich habe mich für ein Vier-Sterne-Hotel im Zentrum von Prag (Prag 1) entschieden. Etwa 40 Euro kostete die Nacht ohne Frühstück und ich war sehr zufrieden – preislich und qualitativ. Wer es mir nachmachen möchte, geht am besten hier entlang (mit Option für kostenfreie Stornierung): Zum Hotel

Da ich vormittags ankam und erst ab 15 Uhr einchecken konnte, habe ich meine Zeit in der Innenstadt etwas vertrödelt. Was auffällt: Prag ist eine Shoppingstadt.

Nicht nur in der Innenstadt folgt ein Geschäft dem anderen. In ganz Prag sind Einkaufszentren verteilt. Das reicht bis zum Flughafen im Osten mit dem Prague The Style Outlets oder der Fashion Arena Prague im Westen. Zwar habe ich das Shopping links liegen gelassen – es sei hiermit für Fashion Addicts erwähnt. You’re welcome.

Schau' mal Prag von oben

Zuerst möchte ich mir einen Überblick über Prag verschaffen. Ich brauche ein frisches Bild von der Stadt und ein Gefühl für die Straßen und Gassen, die ich sonst nur aufblickend, mit dem Kopf im Nacken, durchquere. Dafür bieten sich zwei Optionen: Der Prager Fernsehturm im Westen oder der Aussichtsturm auf der östlichen Moldauseite auf dem Laurenzihügel Petřín. Ich entscheide mich für Letzteres.

Mit der Standseilbahn könnt ihr eine Abkürzung den Berg hinauf ehmen. Ich habe mich für den Fußmarsch entschieden. Allzuweit ist das nicht, aber eben sehr steil. Oben angekommen, kostet der Eintritt etwas weniger als sechs Euro. Es ist ziemlich windig, in der Spitze des Turms seid ihr aber von (dünnen) Fenstern vor dem Wehen des Windes geschützt.

Der Anblick hat sich gelohnt. Die innere Karte der tschechischen Hauptstadt ist gezeichnet. Zurück ging ich über die „Kleinseite“ am Prager Schloss entlang. Von dort hatte ich nochmal einen schönen Ausblick auf die Stadt. Irgendwie war Prag immer in ein angenehm gold-rotes Abendlicht gehüllt.

Kann ich das empfehlen?

Möglicherweise hatte ich zeitlich ein sehr unglückliches Händchen. Bevor ihr auch spontan hier her geht, versucht lieber irgendwie hier herauszufinden: https://www.prazska-trznice.cz/ ob eine Veranstaltung für euch dabei ist. Andernfalls sieht es eher wie eine verlassene Kaserne aus. Ich hoffe, mich nochmal eines besseren Belehren lassen zu können. Habt ihr bessere Erfahrungen? Vertagged uns gerne auf einem Instagrampost (@fluege.de), der das Gegenteil zeigt. 

Kann man mitnehmen, wenn man hier sowieso entlang geht. Der Name verrät, was mich erwartet hatte. Eine Ampel regelt auf Knopfdruck den Verkehr. Es viel mir aber auch nicht schwer, die Lage ohne Elektronik einzuschätzen. Am Ende befindet sich ein Restaurant. Für ein Selfie kann es vielleicht ganz spaßig sein. Ich war natürlich nur hier, um für euch darüber zu berichten.

Es ist eine Wand voller Graffiti, die Leute mit mehr oder weniger friedlichen Botschaften erweitern. Sie sieht also über die Jahre nie gleich aus. Entstanden ist sie nach John Lennons Tod in den 80ern. Neben dem ursprünglichen Portrait des Beatles-Musikers wurden seine Friedensbotschaften verewigt und haben sich seitdem verselbstständigt.

Wenn ihr mögt, könnt auch ihr eure Worte hier verewigen. Stellt euch aber darauf ein, dass – genau wie ihr – Menschen „passiv drängeln“ um das Gleiche zu tun.

Drink and Chill – weg von den Touri-Straßen

Einen guten Tipp, um abends auszugehen, habe ich im Hotel bekommen. Etwa ab Höhe der Palackého most (most = Brücke) beginnt eine lässige Promenade am Ostufer der Moldau. In den runden Lagermulden haben die Prager Bars eingelassen. An reichlich Außensitzen wird man mit Bier, Cocktails und Cider bedient. Mit Blick auf die Altstadt auf der Ostseite der Moldau habe ich den Sonnenuntergang zur goldenen Stunde genossen.

Moldau_Cider_Freisitz Kein Bier sondern Cider. Prag wirkt immer wie in Gold gehüllt.

Wer trinkt mehr Bier als die Deutschen?

Klar, dass auf unsere Nachbarn hinausläuft. Im Jahr 2018 schafften es die Tschechen mit fast 192 Litern pro Kopf mit großem Abstand vor uns Deutsche (101 Liter pro Kopf; Quelle: Statista). Dem Flair konnte ich mich…. nicht entziehen, zumindest für einen Absacker. Da ich auch mal ein paar Gassen abseits der Hauptstraßen entlang gehe, kostete mich der halbe Liter Hopfensaft (zum Beispiel hier) gerade einmal 1,66 Euro. Cheers.

Food-Hopping

…ehrlich gesagt, bin ich doch nur von Restaurant zu Bistro und umgekehrt gelaufen.

Wo wir bei kulinarischen Genüssen sind. Zum Reisen und Erkunden gehört das Essen für mich dazu. Seit geraumer Zeit beschränke ich mich auf rein pflanzliche Nahrung. Umso glücklicher war ich, als ich auf der Online-Karte „vegan“ eintippte. In Prag hatte ich genügend Optionen, viel auszuprobieren. „Nicht-Veganer“ sollten hier mindestens genauso glücklich werden.

Forky's Old Town
- herzhaft

Es gibt zwei Lieblingslokale für mich in Prag. Das Forky’s ist die Nummer zwei. Es gibt ein paar Streetfood-Varianten, Bowls und Burger. Alles vegan. Mein Favorit: Der Seitan-Kebab-Wrap (den habe ich drei Mal in drei Tagen gegessen) und der Tahini-Shake. Köstlich.

Vegane Buffetts
- schnell

Loving Hut und Beas Vegetarian Dhaba sind Buffett-Stationen. Hier bezahlte ich nach Gewicht, etwa ein Euro je 100g. Ein voller Teller kostete etwa sieben bis zehn Euro. Im Loving Hut gibt es ausschließlich vegane Gerichte, beim Beas Dhaba ist jedes Gericht beschrieben, ob es vegan ist oder nicht.

Vegan’s Prag:
- Tschechische Klassiker

Hier wollte ich eigentlich hin. Es liegt mitten in der touristischen Gegend rund um das Prager Schloss. Ich habe es nicht geschafft – sorry. Aber wer tschechische Köstlichkeiten, beispielsweise böhmische Knödel, probieren möchte, bekommt hier die vegan-konformen Varianten mit Blick auf die Stadt.

Meat Vandals:
- ???

Ich war nie hier – der Name verrät, warum. Wenn Frank dort war, update ich. Vielleicht.

Herbivore
- gesund und/oder süß

Meine Nummer eins. Leider habe ich diese kleine Oase erst am Tag vor der Abreise entdeckt. Es hat dennoch für zwei Besuche gereicht. Es gibt abwechselnde Tagesgerichte und Kartengerichte. Alles war lecker, lecker, lecker. Der Hummus ist köstlich, die Açaí Bowl liebevoll garniert und erdrückend gesund, das Avocadobrot richtig sättigend.

Und es gibt Gebackenes. „The Banana Bread is freshly baked and therefor still a little bit warm. Is this okay? And oh, do you want some peanut butter on top?” ähm… ich bin verliebt.

Natureza
- versteckt

Bevor ich den Petřín hochgewandert bin, habe ich hier Kraft getankt. Das Natureza ist ein bisschen von der alternativen Sorte und liegt etwas versteckt. Im Hinterhof könnt ihr ungestört vegetarische und vegane Gerichte schnappulieren. Die vegane Mac & Cheese-Variante mit salzig-würzigem Tempeh (indonesisch; fermentiertes Tofu mit Schimmelpilz behandelt) sieht nicht nur kräftig in der Farbe aus, sondern schmeckt auch so.

Crème de la Crème:
- Ice Ice Baby

Nachtisch gefällig? Hier gibt es viele Sorten veganes Eis mit veganer Waffel. Das ist so cremig, dass die Creme per Spachtel in die Waffel geformt wird.

Stylisch auf den Manifesto Markets

Die Manifesto Markets gibt es zwei Mal in Prag. Hier werden einst brach liegende Flächen mit gastronomischen Konzept aufgehübscht. Verschiedene Streefood-Stände laden für den Chill Out am Abend mit Freunden ein. Von Poke-Bowl, über den mediterranen Hummus-Teller, bis hin zum französischen Hummer oder der asiatischen Fusion-Kitchen, könnt ihr euch hier austoben. Cocktails schlürfen und Bierchen zippen geht natürlich auch. Der größere Market ist in Florenc. Ein etwas kleinerer Market, dafür mit Pool, liegt in der Prager Altstadt.

Mein persönlicher Travel Hack

GIF Vyšehrad
Ausblick als Läufer vom Vyšehrad

Ich bin Läufer und das hat unter anderem folgenden Vorteil: Ohne lästige Tasche, Kamera etc. kann ich die Stadt schnell zu Fuß erkunden. Meistens laufe ich intuitiv in Richtung von Parks und am Wasser entlang. So finde ich mitunter Ecken, die ich später frisch geduscht in Ruhe erkunde oder lieber doch verwerfe.

Ich genieße so vor allem tolle Ausblicke ganz für mich. Die Tour auf die Anlage Vyšehrad war ziemlich steil, dafür wurde ich mit einem weiten Blick die Moldau hinauf belohnt. Eine andere Route hat mich zum Prager Metronom in den Letna-Park geführt. Hier oben gibt es große Wiesen und breite Wege, die ideal zum Joggen sind. Unnützen Wissen: Das Metronom braucht 15 Sekunden für den Schwenk von einer auf die andere Seite.

GIF Vyšehrad
Ausblick als Läufer vom Vyšehrad
Hier sieht das Prager Metronom sehr bedrohlich aus.

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