Zwischen den Welten: Montréal mit Kindern

Montréal

Traveler Special

Mal fühlt sich Montréal an wie eine amerikanische Metropole, mal wie eine französische Kleinstadt – und überall wie eine coole urbane Location, an der es sich gut leben lässt. Willkommen in einer spannenden Stadt mit entspannter Atmosphäre.

Eine Stadt voller Überraschungen

Montréal ist die größte Stadt der Provinz Québec: dem Teil von Kanada, in dem Französisch gesprochen wird. Die Hauptstadt der Provinz heißt ebenfalls Québec, aber das urbane Herz der Region schlägt in Montréal mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern. Von Frankfurt erreicht man Montréal in familienverträglichen acht Flugstunden  , und direkt nach der Landung findet man sich in einer Stadt voller Überraschungen wieder – vor allem, weil man ständig zwischen Amerika und Europa hin- und herzureisen scheint.

Der erste Eindruck für Touristen, die vom Flughafen in die Innenstadt fahren, sind die Straßenschluchten zwischen spiegelnden Hochhäusern aus Stahl und Glas: eine Szenerie wie in einer amerikanischen Netflix-Serie. Der zweite Eindruck bei einem Spaziergang in die Altstadt Vieux-Montréal scheint eher einem nostalgischen europäischen Bilderbuch entsprungen: Alte Steinhäuser schmiegen sich aneinander wie im historischen Zentrum einer französischen Kleinstadt.

Direkt in der Altstadt: Der Place Jaques Cartier.

Maria-Bettina Eich, von Beruf Journalistin, bloggt seit 2012 auf www.kindamtellerrand.de über Familienreisen mit ihren beiden Töchtern. In den Norden von Europa und auf die britischen Inseln zieht es die ganze Familie immer wieder, alle haben sich in die Länder Japan und Korea verliebt, finden Nordamerika spannend und mögen Reisen in faszinierende Städte. Aber auch in Gegenden wie dem Ruhrgebiet, ihrer süddeutschen Wahlheimat und Marias norddeutscher Heimat machen sie jede Menge aufregende Entdeckungen – wobei sich vieles um Kultur dreht: einerseits um Museen und tolle Gebäude, andererseits auch um die vielen Facetten der Alltagskultur, zu der nicht zuletzt das Essen gehört.

Zweisprachigkeit und französisches Flair

Betritt man irgendwo in Montréal ein Restaurant oder ein Geschäft, ist es völlig egal, ob man Englisch oder Französisch spricht: Mit größter Selbstverständlichkeit springen die Locals zwischen beiden Sprachen hin und her. Das perfekte Feeling von „Frankreich in Amerika“ gibt es in der Maison Christian Faure: einer Patisserie an der pittoresken Place Royale. Monsieur Faure, der Inhaber und kreative Kopf des Hauses, ist Franzose. Er darf den Titel „Meilleur Ouvrier de France“ tragen – eine Auszeichnung, die nur wenige ausgewählte Handwerkskünstler in seinem Heimatland erhalten.

Mit seinen Gourmetversionen klassischen französischen Gebäcks wie Madeleines, Macarons und Croissants holt er ein Stück traditionelles Frankreich in die kanadische Metropole. Doch das Wandgemälde im Eingangsbereich des Cafés stellt klar, dass Europa weit weg ist: Es zeigt einen Indianer mit buntem Haarschmuck, hinter dem sich Damen in historischen Gewändern unterhalten. Die Grenzen zwischen Alter und Neuer Welt scheinen hier wie an vielen Orten in Montréal fließend.

Hier fühlt man sich wie in Frankreich: Die Patisserie Maison Christian Faure.

Französisch Spickzettel:

  • Guten Morgen/ Guten Tag/ Guten Abend – Bonjour! / Bonne journée!/ Bonsoir / nuit
  • Ja / Nein – oui/ non
  • Danke / Bitte – merci / S’il vous plaît
  • Auf Wiedersehen! – Au revoir!
  • Entschuldigung – Excusez-moi! / pardon!
  • Ich bin Lisa. Und du? – Je suis Lisa. Et toi?
  • Die Rechnung bitte! – La carte, s’il vous plaît!
  • Wo sind die Toiletten? – Oú sont les toilettes?
  • Der Flughafen – l’aéroport
  • Das Ticket – billet

Ein Blick zurück: Früher waren hier Indianer

Apropos Indianer: Bevor die Franzosen sich im 17. Jahrhundert auf der Insel im Sankt-Lorenz-Strom niederließen, auf der sie die Stadt Montréal gründeten, war die Gegend seit langem Heimat der Irokesen gewesen. Über viele Jahrhunderte lebten sie hier in Langhäusern und trieben Ackerbau – ganz anders als die klassischen Filmindianer, die mit Tipis über die Prärie zogen. Kanada ist mit den Indianern, die hier „First Nations“ heißen, in seiner Geschichte nicht immer gut umgegangen: ein dunkles Kapitel, das bis heute die Gemüter bewegt.

Geschichte selbst erleben

Wenn man etwas über die eingeborene Ur-Bevölkerung Montréals erfahren möchte, geht man am besten ins Château Ramezay, ein idyllisches Schloss mit Garten mitten in Montréal, das aussieht, als sei es direkt aus Frankreich importiert. Anfang des 18. Jahrhunderts ließ es der damalige Gouverneur für sich bauen; heute ist es ein intimes Museum, das sehr anschaulich von der Geschichte der Stadt erzählt: von den Indianern, aber auch von der Einnahme der Region Québec durch die Briten im Jahre 1760, die die Vorherrschaft der Franzosen beendete. Weshalb Montréal heute teils britisch, teils französisch geprägt ist.

Neben den Indianern gehören natürlich die Inuit zu den Ureinwohnern Kanadas. Montréal liegt zwar im Südosten des riesigen Landes, aber die Provinz Québec reicht weit in den Norden hinein. Daran erinnern die Kunstwerke der Inuit im Musée des Beaux-Arts: Skulpturen von Tieren, von Jägern und Geisterwesen, die auch für Kinder sehr eindrucksvoll sind.

Idylle und Street Art: Plateau Mont-Royal

Chinatown und Klein-Italien, das quirlige Quartier Latin, das Szeneviertel Mile End und der Festival-Hotspot Quartier des Spectacles: Montréal besitzt eine Fülle von lebendigen Stadtvierteln mit eigenem Charakter, netten Cafés, vielseitigen Restaurants. Eines der lauschigsten Viertel ist das Plateau Mont-Royal auf einer Anhöhe nordwestlich der Altstadt. Man kann mit der Metro hingelangen, doch schöner ist ein Spaziergang, der vorbei an Straßen mit originellen Läden und Street Art auf Weltklasseniveau führt. Um Kunst zu erleben, muss man in Montréal nicht erst ins Museum gehen, die Stadt ist eine Hochburg der Street Art. Perfekt für Familien, denn Kulturgenuss mit Kindern wird hier zu einer ganz entspannten Angelegenheit.

Im Viertel Plateau Mont-Royal lassen sich viele Street-Art Kunstwerke entdecken.

Auf dem Plateau Mont-Royal angelangt, sollte man sich zunächst auf dem grünen Square Saint-Louis niederlassen, die Leute betrachten, die hier picknicken, chillen, das Leben genießen, und sich in dem altmodischen runden Kiosk etwas zu trinken besorgen. Schlendert man ein wenig um den kleinen Park herum, befindet man sich inmitten verwunschener Häuser mit Treppchen, bunten Dächern, Türmchen und Erkern. 

Plateau Mont-Royal

Überall laden Bistros, Cafés und Restaurants zu einer leckeren kulinarischen Pause ein. Egal, ob man lieber im French Style oder im American Style isst: Montréal hat beides und dazu noch jede Menge Lokale, die ethnische Küchentraditionen aus allen Teilen der Welt zelebrieren. Die französische Freude am Essen hat sich in „la nouvelle France“, dem „neuen Frankreich“, wie Québec auch genannt wurde, erhalten. Dabei sind die Kanadier so relaxt, dass der Restaurantbesuch auch mit jüngeren Kindern eine gemütliche Angelegenheit ist, während ältere Kids Spaß an der lockeren und multikulturellen Atmosphäre der Stadt haben. Eine kulinarische Kuriosität übrigens ist die Poutine, das „Nationalgericht“ der Provinz Québec: Pommes mit darübergebröckeltem Käse und Gravy, einer dunklen Bratensauce.

Pommes mit darübergebröckeltem Käse und dunkler Bratensauce - Das "Nationalgericht" Poutine.

Unterirdisch, verrückt, bunt: Architektur in Montréal

Neben der eigentlichen Stadt gibt es ein unterirdisches Montréal: die „ville souterraine“, die „unterirdische Stadt“. Große Teile des Zentrums sind untertunnelt. Hier existiert ein riesiges unterirdisches Netz von Einkaufsstraßen und Plätzen, bequem an die Metro angeschlossen. Wer in den kalten Wintermonaten nicht nach draußen möchte, kann dort seine Einkäufe erledigen. Und wer mit Kindern nach Montréal reist, hat damit ein spannendes Highlight in der Hinterhand.

Überhaupt sind die Montrealer sehr kreativ, wenn es um Gebäude geht: Das Kongresszentrum Palais des congrès (rechtes Bild) ist bunter als jeder Lego-Fantasiebau mit seinen Wänden aus rot, gelb, grün, blau und pink leuchtenden Glasscheiben. Im Inneren gibt es einen Wald aus pinken Baumstämmen: den „Lipstick Forest“. Am Hafen von Montréal steht der exzentrische Wohnblock Habitat 67, ein Gebirge aus akrobatisch aufeinandergestapelten Betonwürfeln, der zu den Markenzeichen der Stadt gehört. Noch verrückter ist die Biosphère (linkes Bild), die im Parc Jean-Drapeau steht: Der futuristische Architekt Richard Buckminster Fuller baute die gigantische geodätische Kuppel 1967 aus Stahldreiecken, die er mit transparentem Acryl füllte. Das Acryl fiel einem Feuer zum Opfer, sodass die Biosphère, die mittlerweile ein Umweltmuseum beherbergt, sich heute wie ein luftiger Stahlball aus einem Science-Fiction-Film ausnimmt. Und wie der ultimative Beweis dafür, dass Montréal alles ist außer langweilig.

Im Überblick - Warum sich Montréal für den Familienurlaub eignet:

  • Montréal ist familienverträgliche acht Flugstunden entfernt.
  • Eindrucksvolle Architektur und Skulpturen für Kinder.
  • Idyllische Stadtviertel für entspannten Kulturgenuss ohne Hektik.
  • Problemlose Restaurantbesuche mit jüngeren Kindern.
  • Das unterirdische Montréal als spannendes Highlight für Kinder.

Maria-Bettina Eich, von Beruf Journalistin, bloggt seit 2012 auf www.kindamtellerrand.de über Familienreisen mit ihren beiden Töchtern. In den Norden von Europa und auf die britischen Inseln zieht es die ganze Familie immer wieder, alle haben sich in die Länder Japan und Korea verliebt, finden Nordamerika spannend und mögen Reisen in faszinierende Städte. Aber auch in Gegenden wie dem Ruhrgebiet, ihrer süddeutschen Wahlheimat und Marias norddeutscher Heimat machen sie jede Menge aufregende Entdeckungen – wobei sich vieles um Kultur dreht: einerseits um Museen und tolle Gebäude, andererseits auch um die vielen Facetten der Alltagskultur, zu der nicht zuletzt das Essen gehört.

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