Schwimmen mit Meeresschildkröten

Fuerteventura

Fuerteventura - Die einsame Surferinsel

Abwechslungsreich und vielfältig ist die zweitgrößte Kanareninsel Fuerteventura. Im Norden überdecken weiße Sanddünen die schwarze Lava, die vor 20 Millionen Jahren ausschlaggebend für die Entstehung der Inselgruppe war. Konstante Winde, die über karge Landschaften fegen, und menschenleere Weiten haben Fuerteventura den Beinamen „stille Insel“ beschert. Kommt mit auf das Eiland, auf dem scheinbar immer Sommer ist.

Surfer am Strand von Fuerteventura
Strand, Wellen und weit und breit kaum eine Menschenseel. Fuerteventura ist ein Surferparadies.

Fuerteventura ist die zweitgrößte Insel der Kanaren und in der Szene bekannt für die ganzjährig guten Surfbedingungen. Egal ob Kite- oder Windsurfen, SUP oder Wellenreiten, die Insel ist wie ein Spielplatz für Wassersportler. Das dachte sich wohl auch Christof Uhlmann als er 2007 seine Surfschule OTRO MODO gründete, was auf Spanisch so viel wie „die andere Art“ heißt. Wir haben Christof auf Fuerteventura besucht, um mit ihm „das andere Fuerteventura“ kennenzulernen.

Cofete, der schönste Strand der Insel

Erst geht es von Morro Jable über die Halbinsel Jandía. Dann wird schnell klar, dass man die schönsten Orte der Insel wohl nur mit einem geländetüchtigen Fahrzeug erreicht. Wir überqueren einen Pass mit einem atemberaubenden Ausblick und holpern über eine unbefestigte Schotterpiste zum Strand hinunter. Die karge Umgebung und die sich schlängelnde lange Passstraße wecken Assoziationen an Mondlandschaften, die man so nur aus Science-Fiction-Filmen kennt. „Der Strand gehört definitiv zu den Sehenswürdigkeiten der Insel“, sagt Christof beim Aussteigen aus seinem Jeep. „Nicht ohne Grund wird er immer wieder in die Top 10 verschiedenster Strand-Charts gewählt.“ Und wer Kinofilme mag, erkennt vielleicht Kulissen aus dem Bibelepos „Exodus“ wieder, das von Ridley Scott größtenteils hier gedreht wurde.

Wellen, die einem fast allein gehören

Dank des langen Sandstrandes im Schatten der höchsten Berge der Insel gibt es in Cofete die meisten Sandbänke. Perfekte Voraussetzungen für gute Wellen. Und was für Surfer neben den Wellen noch wichtig ist: dass es dort fast keine Surfer gibt. „Hier kannst du die Surfer im Wasser eigentlich immer an einer Hand abzählen. „Grund dafür,“ vermutet Christof, „ist bestimmt die etwas beschwerliche Anfahrt.“ Natürlich gibt es Tage, an denen die Wellen in dem Gebiet für fortgeschrittene Surfer zu hoch sind, aber die gibt es überall. „An allen restlichen Tagen ist es eher schwierig, sich für eine Welle zu entscheiden.“ Christof und sein OTRO-MODO-Team fahren mit den Teilnehmern ihrer Fortgeschrittenenkurse häufig noch vor Sonnenaufgang in den Süden nach Cofete, um den Tag mit den besten Wellen der Insel zu beginnen. 

Die Rückkehr der Meeresschildkröten

Schildkroete taucht unter Wasser

Wenn man viel Glück hat, begegnet man in Cofete im Wasser auch Meeresschildkröten. Ein Projekt zur Wiederansiedlung der Unechten Karettschildkröte, wie eine Art der Meeresbewohner heißt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, natürliche Brutstätten wiederherzustellen, die durch den Tourismus verloren gegangen sind. Dafür werden in Las Palmas vorgebrütete Schildkröteneier zum Schlüpfen an den Strand von Cofete gebracht. Nach dem Schlüpfen werden die Babys wieder eingesammelt und ein Jahr lang aufgepäppelt. Danach entlässt man sie am gleichen Ort in die Freiheit, damit sie zurückkehren und erneut brüten. Schildkröten sind nämlich Gewohnheitstiere, ein bisschen wie Surfer.

Alles zur Wanderung der Schildkröten gibt es auf der englischsprachigen Website http://www.seaturtle.org

Villa Winter

Villa Winter
Das einzige Gebäude weit und breit: Villa Winter auf Fuerteventura

Wer mal einen Kontrast zu pittoresker Strandschönheit braucht, sollte sich die geheimnisumwobene Villa Winter anschauen, die vom deutschen Ingenieur Gustav Winter erbaut wurde. Um das Haus und seinen Bauherrn ranken sich viele Mythen und Geschichten – von einem geheimen U-Boot-Hafen bis hin zu Kisten voller Nazigold. Die Villa hat ihre besten Zeiten schon hinter sich, und heute gibt es in dem verfallenen Gemäuer nur noch ein Zimmer zu besichtigen. Ein Ausflugsziel für Entdecker, für die auch der Weg das Ziel ist.

Besichtigungsdauer: 1 Stunde
Anreise: 10 Minuten mit dem Auto von Cofete-Strand
Kosten: freiwillige Spende zum Erhalt der Villa 

Sundowner, Restaurant, Bar

„Mein Geheimtipp für gutes Essen auf der Insel ist das Fischrestaurant Bahía La Pared in La Pared“, empfiehlt Christof. Der Ort an der kleinen gleichnamigen Bucht liegt ca. eine Stunde entfernt von Cofete an der Westküste von Fuerteventura. „Hier kann man im Frühjahr und Sommer super den Sonnenuntergang anschauen, und das Essen ist sehr lecker.“ Auf der Karte des gemütlichen Restaurants direkt am Meer stehen Tapas und fangfrischer Fisch. Und wer keinen Fisch mag, sollte unbedingt das kanarische Ziegengulasch probieren.

Bahía La Pared

Urb. Jardín de Fuerteventura
Tel.: +34 928 549030

Feinste Wanderdünen aus Muschelkalk

Einsame Strände

Im Norden der Insel mit Blick auf die Nachbarinsel Lanzarote erstrecken sich rund elf Kilometer Wanderdünen aus feinstem Muschelkalk im Parque Natural de Corralejo. Die Küstenstraße, die zu den Dünen führt, muss in unregelmäßigen Abständen kurz gesperrt werden, um von den gefräßigen Sandmassen befreit zu werden. Der schöne Strand von Corralejo mit seinem kristallklaren Wasser bietet trotz der vielen Besucher immer ein einsames Plätzchen und diverse Verleihstationen für Wassersport-Equipment.

In der Stadt geht es lebendig und touristisch zu: Kleinkünstler zeigen ihre Kunststücke, die Kellner der Restaurants buhlen um Gäste, und in den Bars und Clubs wird bis in den Morgen hinein gefeiert. Sehr schön ist ein Ausflug zum Waikiki Beach. Am besten geht ihr abends, da es dort tagsüber sehr voll sein kann. Was das Bild von Corralejo etwas trübt, ist der riesige Hotelkomplex aus den 1970er-Jahren. Glücklicherweise ist so was in dem heutigen Naturschutzgebiet undenkbar.

Nützliche Tipps

  • Auf Fuerteventura weht eigentlich immer Wind. Gerade außerhalb der Ortschaften und an einsamen Stränden kann das manchmal etwas unangenehm werden. Deshalb sollte man besser immer einen leichten Pullover oder einen Windbreaker dabeihaben, um bestens gewappnet zu sein.
  • An vielen Stränden auf Fuerteventura gibt es eine nicht zu unterschätzende Unterströmung. Das ist gerade dann gefährlich, wenn ihr euch allein auf Entdeckungsreise macht oder mit Kindern reist. Daher achtet am Strand darauf, ob auch andere Badegäste im Wasser sind und beobachtet die Brandung, bevor ihr schwimmen geht.
  • Die beste Reisezeit für Fuerteventura gibt es eigentlich nicht. Auf der Insel ist es ganzjährig angenehm warm. Das Klima bestimmen vornehmlich der milde Passat und der heiße Scirocco aus der Sahara. Wenn Letzterer sich einmal durchsetzen kann, dann steigen die Temperaturen schnell für einige Tage um bis zu zehn Grad an.

Zum Abschied verrät uns Christof sein neuestes Vorhaben: Er plant ein Camp mit Surfen und Yoga, einem großen Swimmingpool und Pizzaofen. Klingt spannend und ist ein herrlicher Grund, bald wiederzukommen.